Autor: Christiane

  • Ich war dabei: 15. St. Pauli X-Mass Run

    Ich war dabei: 15. St. Pauli X-Mass Run

    Hamburg, 07. Dezember 2025 – Alle Jahre wieder, kommt der St. Pauli X-Mass Run, ins Millerntor-Stadion zurück, wo wir Laufverrückte bunt geschmückt und frierend, auf die 5-Kilometer-Strecke geh’n.

    Die Vorbereitung

    Der Spruch „Never stop a running system“ passte diesmal perfekt zu meiner Vorbereitung. Wie immer, wenn der Winter kommt, es früh dunkel wird und kalt ist, minimiert sich meine Anzahl der gelaufenen Kilometer. Und dann steht im Dezember plötzlich der Xmass Run an. Meine Panik steigt. Aber das Gute an diesem Lauf ist: Die Leistung wird nicht prämiert, sondern die besten Kostüme. Aber auch da erledigten wir – meine (Ex-)Kollegin und ich – wie immer, alles auf den letzten Drücker.

    Der Lauf

    Dieses Jahr war alles ein bisschen anders. Der Papa war unterwegs, also kamen die Großeltern, um auf das Kind aufzupassen. Unser aller Zeitmanagement war allerdings knapp, daher ging es direkt von der Taschenabgabe an die Startlinie, kurze Fotosession und schon ertönte der Startschuss.

    Der Mob zog los Richtung Spielfeld. „Hells Bells“ dröhnte aus den Lautsprechern, wir liefen durch den dunklen Tunnel aufs hell erleuchtete Spielfeld zu (der Rasen durfte nicht betreten werden, die mobile Rasenheizung und UV-Leuchten erhellten ihn – Nichts mit Engelgesang und Glöckchen klimpern) – und schon ging der Lauf offiziell los.

    Für die Leistungsorientierten: Die Zeitmessung beginnt erst im Stadion, damit wir unseren Einlauf zelebrieren können und niemand meckern muss, dass es so langsam vorangeht.

    Nach kürzester Zeit hatte ich wieder Seitenstechen und einen hohen Puls, aber Schwäche zeigen war keine Option – ich war ja nicht alleine unterwegs. Wir fanden irgendwann einen Mann im Renntierkostüm, der eine gute Pace lief, und hingen uns dran – das hatte letztes Jahr schon gut funktioniert. Es ging durch den Planten un Blomen, irgendwann war unser Renntier-Mann weg, aber das Ziel zum Greifen nah. Euphorisch packte mich der Ehrgeiz, aber erstmal gings einen Schritt zur Seite: Der Erste des Startblocks nach uns überholte uns! Wayne – das war die letzten Jahre auch schon so.

    „Jetzt ziehst du aber nochmal an!“, rief meine Laufpartnerin mir zu. In Wahrheit hatte aber sie angezogen. Ich hatte 180er Puls – was soll ich da noch anziehen?

    Die letzten zwei Kurven, und schon waren wir zurück im Stadion. Garmin aus, Medaille um den Hals, Wasser für den Körper, Spekulatius für die Seele.

    Irgendwann dann: „Welche Zeit sind wir eigentlich gelaufen?“ 00:36:21 ist unsere offizielle Zeit. Damit waren wir eine Minute schneller als im Jahr zuvor. Nicht schlecht.

    Die Nachbereitung

    Wir sammelten das Kind samt Großeltern ein und gingen zum Schnitzelessen. „Never stop a running system.“ Auch das machen wir immer.

  • „Wann ist Halbzeit?“ – FCSP:FCU

    Ich kann es nur wiederholen: Als Anhängsel braun-weißer Fußballfans hat man es aktuell nicht leicht. Wieder ein Spieltag, wieder eine Niederlage, wieder Frust in Braun.

    Das Debakel gegen die Eisernen aus Berlin hätte ich sogar live, in Farbe und Kälte mitnehmen können. Aber selbst ich habe manchmal Glück: Das Mini-Anhängsel verweigerte kategorisch den Stadionbesuch. Also blieben wir auf der warmen Couch, während Papa sich im Stadion den Hintern abfror.

    Zum Spiel selbst kann ich deshalb nicht viel sagen. Die entsprechenden Abos für die Sonntagsspiele haben wir nicht.

    Also, außer vielleicht Folgendem:

    Es wird langsam Zeit, sich ernsthaft zu fragen, ob die aktuelle Teamkonstellation überhaupt noch funktioniert. Genau das hatte ich schon im letzten Posting angemerkt – und seitdem ist, abgesehen von Irvines Rückkehr in die Startelf, nicht allzu viel passiert. Und scheinbar war genau diese Rückkehr kein Glücksgriff: Laut Kicker eine glatte 5. Unterirdisch.

    Ich hatte ja eigentlich gedacht: „Der Jackson… also der Jackson Irvine, den brauchts doch in der Startelf, damit’s wieder Richtung Punkte geht.“ Kann sein. Kann aber auch nicht sein. Nach einem einzigen Spiel lässt sich das schwer beurteilen.

    Und wahrscheinlich bekommt St. Pauli erstmal noch eine weitere Klatsche – das nächste Spiel ist ausgerechnet gegen Bayern München, also bitte – damit man dann ein zählbares zweites Spiel, auswärts in Köln, mit Irvine in der Startelf bekommt. Erst dann wird man sehen, ob da wirklich ein Hebel steckt oder ob das Wunschdenken mit Totenkopf-Logo war.

    Die Trainerfrage scheint offiziell nicht im Raum zu stehen.
    Inoffiziell sollte sie aber langsam mal anklopfen.

  • Struktur & Alltag: KW47/2025

    Struktur & Alltag: KW47/2025

    Struktur & Leben

    • Mallorca: Wenn du ein treuer Leser bist, ist es dir sicher aufgefallen: Ein Wochenrückblick fehlt. Wir waren nämlich im Urlaub auf Mallorca – mit Oma und Onkel, sodass der Freund laufen gehen und ich mit dem Rennrad fahren konnte.
    • Kindergeburtstag: Endlich feierten wir den Geburtstag unserer Tochter. Groß, mit all ihren Freunden und später dann auch mit den Eltern (ihr Wunsch). Das diesjährige Motto: Piraten.
    • Hamburg: Am Sonntagabend hat es geschneit.

    Struktur & Ordnung

    • Möbel: Ich weiß nicht, was los ist, aber ich muss wohl demnächst mit Schraubendreher und Co. durch die Wohnung tigern und alle möglichen Schrauben und Scharniere nachziehen. Hier fällt alles auseinander.
    • Black Friday: Meine Kosmetikerin hat mir etwas Geniales erzählt: Sie nimmt sich die erste Dezemberwoche Urlaub, bestellt zu Black Friday alle Geschenke und verpackt und versendet dann alles im Urlaub. So kann sie die Wochen bis Weihnachten genießen. Das klang sehr gut, also habe ich ebenfalls bestellt.
    • Decluttering:
      • Decluttering-Counter: 199

    Struktur & Gesundheit

    • Stress: Tatsächlich empfand ich die letzten Tage, beziehungsweise die letzten zwei Wochen, als sehr stressig. Mein Schlaf litt darunter. Natürlich könntest du sagen: „Aber du warst doch im Urlaub“ – und das stimmt. Doch Urlaub bedeutet auch organisatorischen Stress: Packen für zwei (Kosmetik und Erste Hilfe für drei), planen, wann man wo sein muss, ständig darauf achten, dass das Kind nicht abhandenkommt (schnelle Beine!), und im Urlaub die Balance finden, damit alle zufrieden sind. Direkt danach kamen Post vom Amt, der Kindergeburtstag, anstehende Termine und vieles mehr. Du kennst das ja.

    Struktur & Blog

    • Überarbeitung: Ich habe das erste Brainstorming gemacht, wie ich meinen Blog überarbeiten möchte. Ob das etwas wird, weiß ich allerdings nicht. Die Idee ist groß, und vermutlich wird es wieder an meinem mangelnden Sitzfleisch scheitern.
  • Mein persönliches Bikefitting-Erlebnis

    Mein persönliches Bikefitting-Erlebnis

    Es ist schon etwas länger her – ich arbeite mich gerade durch meine gefühlten 100 Notizen, aber: Ich war im Sommer mit meiner Rosi beim Bikefitting – hauptsächlich wegen zweier Probleme:

    • Eingeschlafene Hände bei längeren Fahrten (kam aber eher beim alten Scott-Fahrrad vor, vermutlich wegen des Lenkers)
    • Rückenschmerzen im unteren Bereich – vor allem bei längeren Fahrten

    Ich erzählte, dass ich gerne mal die 100 Kilometer am Stück fahren würde, aber da die Rückenschmerzen etwas nachteilig sind und dass ich auf eine Sprintdistanz trainiere. Nach der Anamnese bekam ich kleine Markierungspunkte an Hüfte, Knie und Fußgelenk, für die Videoanalyse, geklebt. Dann ging’s aufs Rad – entspanntes Pedalieren genügte.

    Screenshot

    So sah es aus. Ein Profi würde vielleicht nicht sofort erkennen, dass meine Arme zu sehr gestreckt sind, aber man sieht sehr wohl, dass meine Schultern viel zu hochgezogen sind. Das würde am Ende des Tages zu einem steifen Nacken führen.

    Während meine Bikefitterin mir zusah, hatte ich angenommen, dass mein Sattel höher und weiter nach hinten müsste, aber die Expertin sah das anders: „Den Sattel tiefer und etwas weiter nach vorne.“
Na gut, ich ließ mich darauf ein.

    Zusätzlich wurde die Neigung der Brems-/Schaltgriffe korrigiert und meine Cleats neu eingestellt. Im weiteren Verlauf wurden drei mögliche Veränderungen diskutiert:

    • eine andere Sattelstütze
    • ein kürzerer Vorbau
    • ein anderer Lenker

    Nach kurzer Recherche entschieden wir gemeinsam: Der kürzere Vorbau bringt erstmal den größten Effekt. Zwar war gerade keiner zur Hand, aber ein neuer Termin zum Umbau war schnell vereinbart.

    Screenshot

    Der Termin brachte mir nicht nur technische Erkenntnisse, sondern auch wertvolle Tipps für mein eigenes Fahrverhalten.

    • Arme leicht gebeugt halten statt durchzustrecken – das entlastet Schultern und Nacken.
    • Mittleren und oberen Rücken nicht zu stark abrunden, eher gerade-schräg halten
    • Körperhaltung immer wieder überprüfen – kleine Fehler schleichen sich schnell ein.

    Als endlich der kleine Vorbau geliefert wurde, trafen wir uns erneut und sie montierte diesen schnell. Ich schwang mich noch einmal auf Rosi, und dieses Mal sah meine Haltung schon viel professioneller aus.

    Was habe ich aus meinem Bike-Fitting gelernt?

    Tatsächlich ist Radfahren mehr als nur „aufs Fahrrad schwingen und los treten”! Bei meinen kommenden Fahrten – ob draußen oder drinnen – muss ich mir immer wieder die drei oben genannten Haltungspunkte ins Gedächtnis rufen, meine Haltung immer wieder korrigieren und dabei in die Pedale treten. Das Bikefitting hat mir vielleicht nicht so viel bei der Ausrüstung gebracht, dafür aber beim Blick auf mich selbst.

    Wenn du dich jetzt fragst, was Bikefitting genau ist und für wen das was ist, kannst du das gerne hier nachlesen!

  • “Wann ist Halbzeit?“ – SCF:FCSP

    Als Anhängsel braun-weißer Fußballfans hat man es aktuell nicht leicht. Sagen wir es direkt: Beim FC St. Pauli läuft gerade wenig zusammen. Da verliert nicht nur ein Mannschaftsteil die Orientierung, da wirkt die ganze Elf so, als hätten sie kollektiv vergessen, wie man Fußball spielt. Und nein, man kann es diesmal nicht auf „die Abwehr“, „das Mittelfeld“ oder „den Sturm“ schieben. Es ist alles. Komplett.

    Als Begleitperson sitzt man dann da, hört sich das Gefluche und das „Was machen die denn da vorne?!“ geduldig an. Und ja, man fiebert trotzdem mit, wenn die Braun-Weißen sich ausnahmsweise mal in Richtung gegnerischen Strafraum bewegen – aber genau da scheint der Matchplan zu enden. Das war’s dann. Ende der Idee.

    Nach 90 Minuten plus obligatorischer Nachspielzeit kommt am Ende wieder nur eine Niederlage raus. Man fragt sich automatisch: „Ja… woran hat es gelegen?“

    Zum Beispiel an dieser Szene gegen Freiburg: Ein Spieler liegt minutenlang am Boden, aber keiner der eigenen Leute spielt den Ball ins Aus. Niemand übernimmt Verantwortung, niemand moderiert, niemand ordnet. In solchen Momenten sieht man es glasklar: Dieses Team ist gerade kein Team. Es fehlt nicht nur ein Torjäger. Es fehlt jemand, der zusammenschweißt. Einer, der ansagt, wie’s weitergeht – und dem der Rest folgt.

    Die Einwechslung von Irvine hat das kurz aufblitzen lassen. Plötzlich schien da eine Idee von Zusammenhalt. Ein Funken. Ein „vielleicht geht doch was“. Aber am Ende blieb es beim Anschlusstreffer. Mehr war nicht drin.

    Es fehlt Spirit. Es fehlt Kante. Es fehlt das Gemeinsame.

    Vielleicht wäre es mal an der Zeit, das Training vom Rasen in eine Teambuilding-Maßnahme zu verlagern. Lagerfeuer, schlechtes Gruppen-T-Shirt, Kreisspiele – völlig egal. Hauptsache, irgendwer ruft am Ende wieder glaubhaft:

    „Ja, wir schaffen das.“

    Und man glaubt es ihm.

  • Struktur & Alltag: KW45/2025

    Struktur & Leben

    • Behördengänge: Ich hatte meinen ersten Termin beim Arbeitsamt. In den Tagen zuvor merkte ich, wie meine Anspannung stieg und meine Laune sank. Ich habe vor solchen offiziellen Terminen immer Muffensausen, weil ich Angst habe, meinen Standpunkt, meine Wünsche und Ziele nicht deutlich genug kommunizieren zu können oder nicht ernst genommen zu werden. Dieser Termin entpuppte sich jedoch lediglich als „Lassen Sie uns mal Ihre Daten abgleichen“ und war daher sehr angenehm, da ich mein Profil gut auf Vordermann gebracht hatte (seitdem ich wieder darauf zugreifen kann!).
    • Kindergeburtstag: Der Kindergeburtstag rückt näher und nach und nach treffen die letzten Dinge dafür ein. Sowie auch die Geschenke von uns für das Kind. Ich bin eine ganz schlechte Schenkerin, denn sobald die Geschenke da sind, möchte ich sie überreichen und sehen, wie sich der Beschenkte freut. Deshalb durfte unsere Tochter schon in den Genuss eines ihrer Geschenke kommen: eine Indoor-Schaukel! Der Papa wusste nichts von diesem Geschenk, weil mir das erst einfiel, als ich die Geschenkliste zusammensuchte. Als Kind fand ich es bei einer Freundin immer toll, dass sie eine Schaukel im Zimmer hatte. Ich habe also ein Türrahmen-Pull-up-Gerät und eine einfache Schaukel gekauft. Papa und Mama können jetzt also auch hart trainieren. Fertig. Kind glücklich.
    • Gekocht: Ich habe Bratreis gekocht. Er war genießbar, hat mein Freund gesagt. Das hat mich stolz wie Bolle gemacht.

    Struktur & Ordnung

    • Sparfuchs: Mein Freund stellt seine App-Benachrichtigungen nie aus. Das heißt, ihm wird ständig App-Werbung angezeigt. Das ist manchmal echt nützlich. So hat er beispielsweise eine Benachrichtigung erhalten, dass er sich mit seinen Adidas-Running-Punkten Komoot für ein Jahr kostenlos holen kann. Dadurch habe ich mal in meinen Punktestand geschaut und gesehen, was es da noch Tolles gibt. Jetzt habe ich also Komoot für ein Jahr und Zwift für drei Monate.
    • Decluttering:
      • Decluttering-Counter: 199

    Struktur & Sport

    • Laufen:
      • dienstags: 7,50km bei 07:29min/km und ø168bmp
      • donnerstags: 5,38km bei 07:27min/km und ø158bmp
    • Radfahren: Ich wollte auf die Rolle. Aber ich habe irgendetwas verstellt, sodass es sich beim Treten ganz komisch anfühlte. Abbruch.
    • Kraullernkurs (6/8): Aus gesundheitlichen Gründen konnte ich leider nicht teilnehmen.

    Struktur & Gesundheit

    • Halskratzen: Ja, es kratzt seit Ende der Woche im Hals. Also habe ich meinen Trainingsplan auf „Auskurieren“ umgestellt. Leider ging es mir am Freitag gar nicht gut – grundlos sackte mein Kreislauf ein –, sodass ich nicht zum Kraulschwimmkurs ging.

    Ausblick

    Die Woche wird spannend.

  • Der emotionale Aspekt, wenn man ein eBook veröffentlicht

    Am 2. August 2025 hat Amazon mein E-Book veröffentlicht.

    Ich sollte stolz sein. Doch stattdessen saß ich vor dem Bildschirm und aktualisierte im Sekundentakt das Backend – in der Hoffnung, dass es niemand findet. Warum? Weil ich Angst hatte. Vor Kritik. Vor Fehlern. Und davor, dass mein kleines Projekt vielleicht einfach nur … peinlich ist.

    Aber erst einmal eins nach dem anderen: Du hast ein E-Book veröffentlicht? Ja, es ist ein Ratgeber über Schwangerschaftsdiabetes. Das ist für die meisten eher ein uninteressantes Thema. Für mich als ehemals Betroffene ist es aber schön. Als Expertin für das Thema würde ich mich nicht bezeichnen, aber es gibt einfach zu wenige Informationen dazu. Meistens sind es nur kleine Abschnitte in den unzähligen Schwangerschaftsratgebern, die einen mit einem Hauch von Nichts zurücklassen.

    Ich habe Angst, mein Kind zu schädigen

    Es war das Jahr 2020, als ich schwanger wurde. Während die Corona-Pandemie für viele andere das größte Problem in diesem Jahr war, zweifelte ich daran, eine gute Mutter zu sein, obwohl ich noch gar keine Mutter war. Dass ich schwanger war, erfuhr ich durch die wunderschöne, bleiernde und kräftezehrende Morgenübelkeit. Mein Kind und ich verbrachten das erste Trimester hauptsächlich damit, gemeinsam über der Toilettenschüssel abzuhängen. Während ich würgte und stöhnte, hörte es zu, statt dass wir es uns gemütlich machten und gemeinsam auf der Couch den sanften Klängen Mozarts lauschten oder in Enzyklopädien schmökerten.

    Danach schleppte ich uns zum Physiotherapeuten. Ich versuchte irgendwie, meine Rückenschmerzen im mittleren Rücken loszuwerden, aber meine immer größer werdende Kugel am Bauch war dabei ständig im Weg. Dann wurde mir die Hiobsbotschaft „Schwangerschaftsdiabetes“ mitgeteilt. Ich hatte das Gefühl, schon vor der Geburt am Muttersein gescheitert zu sein. Ich war nervlich am Ende, verzweifelte jetzt schon vor dem, was kommen würde, und man gab mir nicht mehr als einen zweiseitigen Informationsflyer mit? Die Verzweiflung lief auf zwei Beinen und hieß Christiane.

    Aber wer wird schon schwanger? Richtig, erwachsene Menschen werden schwanger und Erwachsene sind verantwortungsbewusst. Zusammen mit der Vernunft redete mir mein Verantwortungsbewusstsein gut zu. Sie sagten: „Versuche, dich bestmöglich zu informieren. Fange an, zum Thema Schwangerschaftsdiabetes zu recherchieren. Blättere in all den unzähligen Büchern über Schwangerschaft. Klicke jeden Link an, der auch nur im Entferntesten nach Schwangerschaftsdiabetes klingt. Tauche ganz tief in die Materie ein. Das ist nicht nur für dich. Es ist zum größten Teil auch für dein Kind!“ Ich war es mir vielleicht nicht wert – aber meinem ungeborenen Kind zuliebe wollte ich das Wissen zusammensuchen, das uns helfen könnte.

    Mein dickes Bäuchlein und ich klemmten uns hinter den Schreibtisch und begannen zu recherchieren. Ich arbeitete mich die typischen W-Fragen entlang und beantwortete sie nach und nach, um mein Gewissen zu beruhigen. Ich versuchte mich sogar an englischsprachigen Fachtexten, musste aber einsehen, dass das nichts wird – meine Englischkenntnisse sind einfach zu schlecht. Aber egal, weiterblättern, weitersuchen, noch einen Link klicken, noch eine Webseite durchforsten. Ich sammelte Wissen, was mich beruhigte, aber es schuf auch neue Unsicherheiten. Diese Wissenslücken versuchte ich auch mit Erfahrungsberichten anderer Betroffener zu schließen.

    Wer bin ich, anderen Ratschläge zu geben?

    Schon damals dachte ich, dass es vielleicht gut wäre, dieses zusammengetragene Wissen zugänglich zu machen. Immerhin profitierte auch ich davon, dass es andere Frauen gab, die darüber redeten; sei es nur kurz auf Instagram oder auf ihren Blog. Ich fand das eine gute Idee, aber ich hatte Zweifel dadran, dass meine paar Seiten ausreichend sind. Daher begrub ich so halb die Idee, aber auch nur so halb.

    Die Zeit verging und irgendwann hielt ich meine Tochter, gesund und munter, im Arm – das Projekt „Schwanger & Zucker“ war zunächst vergessen. Als sich unser Alltag jedoch langsam normalisierte und eine gewisse Routine einkehrte, keimte das Thema wieder auf, denn auch wenn es Schwangerschaftsdiabetes eher eine temporäre Erkrankung ist, hängt an ihr ein Rattenschwanz der zu einem waschechten Diabetes führen kann. Darum kam das Thema immer wieder auf, meistens dann, wenn die Waage mal wieder mehr Plus als Minus anzeigte und mir die Gummibärchen und Chips vom Vorabend schwer im Magen lagen. Es ließ mich nicht los. Eigentlich wäre es nicht schlecht, das gesammelte Wissen in einem Buch oder Blog zu veröffentlichen und so für jedermann zugänglich zu machen.

    Doch immer wenn ich an „Schwanger & Zucker“ und an eine Veröffentlichung dachte, schnürte es mir den Brustkorb zu. Wie als würde ein Kiloschwerer Stein auf mir liegen und mich bewegungsunfähig machen. Ein Stein mit der Aufschrift: Das ist nicht gut genug, was du da ausgearbeitet hast. Ich hatte wirklich nicht viel. Es war keine 30 A4-Seiten. Ich hatte versucht, mich aufs Wesentliche zu konzentrieren und mir das bestmögliche Wissen über Schwangerschaftsdiabetes anzueignen, um eine gesunde Tochter auf die Welt zu bringen. Check, das habe ich geschafft und selbst ich bin nochmal mit einem Blauen Auge davon gekommen…. Auch wenn ich immer wieder meine der Rattenschwanz holt nach mir aus und peitscht mich in die Diagnose.

    Aber wäre das für andere ausreichend? Könnte es anderen helfen? Ich suchte nach Helfern, sogenannten Testlesern. Sie sollten mir Rückmeldung geben, über eventuelle Fehler oder darüber, welche Inhalte ihnen fehlen würden. Ich fand eine in Dany und sie gab mir Input zurück, den ich versuchte, bestmöglich umzusetzen. Aber es ist, wie es ist: Die Zeit aller ist knapp, und niemand macht mehr etwas ohne Gegenleistung oder um seinen eigenen Nutzen daraus zu ziehen. Ich will Dany da gar nichts absprechen – sie hat das toll gemacht. Ich möchte damit sagen, dass sie die Einzige war, die sich einfach so die Zeit genommen hat. Danke, Dany.

    Ich haderte auf der eine Seite stark über mein Manuskript, andererseits erstellte ich eine Webseite und den dazugehörigen Instagram-Account. Ich nahm sogar den Kontakt zu einer Designerin auf, die mir schon mal eine Anleitung visualisierte und ich nahm sogar schon eine Gewerbeanmeldung vor. Ich wollte alles richtig machen. Irgendwie, wenn nicht schon das Manuscript richtig ist, dann wenigstens alles drumherum.

    Ich hatte mein Projekt „Schwanger & Zucker ins Rollen gebracht. Ich hatte es irgendwie „online gebracht“, auszugsweise teilte ich mein Wissen, aber mein ganzes Manuskript hielt ich noch verschlossen. Meine Zweifel über meinen erarbeiteten Wissenspol wuchsen und ich fand keine Motivation mehr ihnen standzuhalten. Ich löschte Webseite und Instagram, die Designerin erhielt keine weiteren Aufträge mehr.

    Ich war bereit – bis zu ersten Kritik

    All das, was da oben steht, passierte in einem Zeitraum von fünf Jahren. Dann plötzlich eines schönen Morgens, dachte ich mir, ich veröffentliche jetzt mein Manuskript „Schwanger & Zucker“. Ich bewies echt Sitzfleisch und zog durch: Vier Tage später erhielt ich die eMail, dass mein eBook nun veröffentlich worden sei. Es war eine emotionale Berg- und Talfahrt und eine Zerreißprobe für meine Geduld.

    Die erste Person, der ich davon erzählte, sagte gleich: „Das hätte ich ja nicht gemacht. Viel zu viele Fehler.“

    Das war sehr aufbauend. Nein, es war eher ein richtig fester Schlag in die Fresse und er traf zielgenau meine Selbstzweifel. Die musste ich erstmal runterschlucken. Aber ich dachte mir, von Konstruktiver Kritik kann man ja lernen. Ich fragte nach und erfuhr, dass die Person einen veralteten Wissensstand zu meinem Projekt hatte und ich der Aussage deswegen erstmal keine Gewichtung geben konnte. Zum Teil.

    Ich checkte regelmäßig das Back-End der Selfpublisher-Plattform. Immer noch in Prüfung. „Immer noch“ oder eher „Gottseidank“. Ein Wechselbad der Gefühle von Euphorie bis zu Angst.

    Die Angst trieb mich dazu, dass ich schon mal schaute, ob man das nicht irgendwie noch stoppen könnte und die Euphorie ließ mich in Papyrus schon mal den zweiten Teil des eBooks anfangen – oder zumindestens die erste überarbeitete Version, weil mir natürlich ein, zwei Dinge bereits eingefallen waren, die da noch gut reingepasst hätten. Das eine wurde gespeichert und beim anderen stellte sich raus, dass ich die Veröffentlichung dann einfach zurücknehmen kann. Kein Grund zur Panik.

    Ich habe es trotzdem getan

    Ja, aber warum hast du es jetzt veröffentlicht? Ich würde sagen, weil ich jetzt jemanden an meiner Seite habe, der mich auffängt, wenn die Kritiken zu schlecht und nicht nachvollziehbar genug werden. Jemand, der mir helfen kann, das aufzuarbeiten und zu verarbeiten. Das hatte ich all die Jahre nicht. Deshalb war ich wohl auch gehemmt, weil ich niemandem aus meinem näheren Umfeld die Bürde aufdrücken wollte, sich um eine Christiane zu kümmern, die wegen schlechter Kritiken in ein tiefes Loch gefallen ist.

    Ich habe immer noch starke Selbstzweifel, ob mein eBook gut genug ist. Aber ich weiß auch, dass man manchmal Wichtiges nicht sieht, weil man seinen eigenen Standpunkt nicht gut ändern kann. Deswegen wäre es – gerade für ein solches Projekt – gut, wenn man es jemandem gibt, der es dann konstruktiv kritisiert. Um es weiter voranzubringen. Bei einem Ratgeber ist das, denke ich, eine gute Sache. Ich kann ihn ja dann irgendwann überarbeiten – vor allem, wenn sich aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht etwas ändert, aber auch, wenn es gute, nachvollziehbare Kritikpunkte gibt, die ich einarbeiten kann.

    Und plötzlich stand da: „Live“. Das heißt, mein eBook ist online, es kann gekauft und gelesen werden. DAS ist ein Grund zur Panik. Die Gefühle fuhren in mir Achterbahn. Himmelhochjauchzend es endlich durchgezogen zu haben, aber auch bibbernd vor Angst, dass das wirklich eine ganz dumme Idee war, weil es wirklich ganz großer dummer Mist ist.

    In den ersten Wochen tat sich gar nichts. Das eBook schlug nicht wie ein Bestseller ein, was sicherlich auch der fehlenden Werbung dafür geschuldet war. Aber erst einmal war ich froh, dass sich mein Wechselbad der Gefühle einige Tage danach gelegt hatte. Dann, wie aus dem Nichts, wurde ich gefragt, wen ich für die Bewertung meines eBooks angeheuert hätte. „Hä?“

    Ich gebe zu, zu diesem Zeitpunkt hatte ich das E-Book fast schon vergessen.

    Da war sie: die erste Rezension für mein eBook. Fünf von fünf Sternen! Mir fiel ein Stein vom Herzen. Ich kann dir allerdings nicht sagen, wie ich reagiert hätte, wenn die Bewertung schlecht ausgefallen wäre. Seitdem hat das Projekt eine positive Wendung genommen. Nicht nur mein Brainstorming-Zettel für Ergänzungen ist seitdem gewachsen, sondern auch mein Wille, dem Buch endlich etwas „Werbung“ zu gönnen und eine Webseite dafür umzusetzen.

    Also, wenn du gerade selbst mit einem Projekt kämpfst, das du nicht loslassen kannst – ich verstehe dich.

    Und vielleicht hilft dir dieser Beitrag, dich zu trauen. Ich hab’s auch getan – und ja, ich lebe noch.